Barockisierung

Bereits unter den Pröpsten des späten 17. Jhdt. wurde der Baukomplex unter Beibehaltung der alten gotischen Substanz barockisiert. Als Hieronymus Übelbacher 1710, 300 Jahre nach der Gründung des Stiftes, zum Propst gewählt wurde, befanden sich Kirche und Konventgebäude nach seinen eigenen Angaben in schlechtem Zustand. So scheint es nicht verwunderlich, dass er mit seinen Renovierungsarbeiten an den Konventgebäuden begann und erst nach deren Wiederherstellung Kirche, Kreuzgang, Turm und den Südtrakt mit dem großen Kirchenportal in Angriff nahm. Hieronymus Übelbacher war ein gelehrter Mann. 1710 erhielt er von der Universität Wien den "Purpur eines Doctors der heiligen Schrift". Seiner umfassenden Bildung und seinem Interesse an allen wirtschaftlichen und künstlerischen Vorgängen ist auch das Stift Dürnstein in seiner heutigen Gestalt zu verdanken.

Nicht Künstler bestimmten primär Gestalt, Ausstattung und theologischen Inhalt der Bauten, sondern Propst Hieronymus selbst war Mittelpunkt und Koordinator des künstlerischen Geschehens. Leitender Baumeister war Joseph Munggenast. Die kunsthistorische Forschung nennt den St. Pöltner Baumeister Jakob Prandtauer für Eingangsportal und Stiftshof und den in Wien ansässigen Matthias Steinl für Kirchenportal, Innenraum der Kirche und Untergeschoß des Turmes als Entwerfer. Um unnötige Ausgaben zu sparen, wurden die Bauten des alten Konvents beibehalten. Durch Anfügen von Gängen und schmalen Räumen wurde der unregelmäßige Stiftshof zu einem repräsentativen Viereck geschlossen. 

Das Stift Dürnstein ist von der Turmspitze bis in den Felsen des Fundamentes hinein theologisches Programm. Hier gilt wirklich das Wort: "Steine reden".

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